Pflanzenporträt Wilde Karde von Bettina Köppen Berlin

Heilpflanzenportrait der Wilden Karde

Wilde Karde

Dipsacus sylvestris

Kardengewächse

Dipsacaceae

Botanik

Viele halten die Karde für eine Diestel. Sie ist aber keine. Karden bilden eine eigene Pflanzenfamilie.
Die Karde ist zweijährig. Im ersten Jahr wächst im Frühjahr eine Pflanzenrosette, aus der im zweiten Jahr ein hoher Stengel empor wächst. Die unteren Blätter stehen sich direkt gegenüber und bilden mit dem Stengel eine Art Gefäß. In diesen kleine Becken sammelt sich Regenwasser, das früher auch Venuswasser genannt wurde und dem wundersame Heilkräfte zugeschrieben wurden. Die Pflanze verhindert so, dass sich Blattläuse und Ameisen auf ihr tummeln. Der Stieglictz trinkt gern an den Venusbecken der Karde und liebt auch ihre Samen.
Die Blüten sind stachelig und eiförmig. Zuerst sind sie grün. Später blühen sie von der Mitte Mitte aus lila, wobei die Blühzone sowohl nach oben als auch nach unten wandert. Das erinnert an die Wanderröte, die als Zeichen für eine Borellieninfektion gilt. Es ließ die alten Naturheilerinnen* vermuten, dass die Karde ein Mittel gegen Borelliose sein könnte. Wissenschaftlich ist das bisher noch nicht ausreichend erforscht.
Hummeln und Schmetterlinge lieben Kardenblüten.
Die Blütenstände werden nach der Blüte braun und verholzen. Sie bleiben oft bis zum Frühjahr stehen.
Die Karde ist ziemlich anspruchslos. Sie wächst auch auf steinigen Böden und gerne an Ufern und auf Weiden.

Inhaltsstoffe

Scabiosid (ein Glycosid), Iridoide, Saponine, Glucoside, Terpene, Kaffeesäure, Kalisalze, Inulin und Bitterstoffe

Traditionelle Verwendung

Die Karde wird auch Weberkarde genannt. Früher wurden die trockenen Blütenköpfe zum Kämmen der Wolle verwendet, damit man die Wolle dann besser spinnen kann.

Man erntete die Wurzel im Frühjahr, wenn sich schon die ersten Blätter zeigen, bevor der Stengel austreibt. Abkochungen der Wurzel wurden innerlich und äußerlich angewandt bei:

  • Gelbsucht und anderen Leber- und Gallebeschwerden
  • Gicht, Arthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen
  • Magenerkrankungen und zur Stärkung des Stoffwechsels und der Verdauung
  • kleinen Wunden, Gerstenkörnern, Fisteln, Furunkeln und Akne
  • Hautflechten, -pilzen und Nagelgeschwüren
  • zur Stärkung des Immunsystems als Tee oder Tinktur
  • Kopfschmerzen
  • gegen Altersflecken und Sommersprossen
  • Ödemen
  • chronischen Hautleiden, Milchschorf, Krätze
  • Erkrankungen der unteren Atemwege
  • als Wurmmittel
  • bei Syphilis und Gonorrhöe

Die Karde galt als antbakteriell, antifungal, antientzündlich, blutreinigend, harntreibend und schweißtreibend, also insgesamt als ausleitend und entgiftend.

Das Wasser aus den Stengelbecken wurde als Gesichtswasser, für Augenspülungen und gegen Altersflercken und Sommersprossen genutzt.

Verwendung in der Küche

Ich würde sie nicht essen. Aber giftig ist sie auch nicht. Früher wurden die Kardenköpfe, Blätter und Wurzeln auch für die innerliche Anwendung getrocknet und pulverisiert und ins Essen oder in ein Getränk gerührt. Aber so richtig was Leckeres zu essen kann man aus ihr nicht zaubern.

Indikationen nach Kommission E und

Indikationen nach Herbal Medicinal Product Commitee – Monografie

Da gibt es noch nichts. Die Wirkung gegen Borellien ist bisher nur im Labor nachgewiesen worden. Es bleibt also spannend.

Allerdings wird die Karde in der chinesischen Medizin schon sehr lange verwendet und dort wird auch viel an ihr geforscht. Sie wird dort bei vielen Krankheitsbildern eingesetzt:

  • Osteoporose
  • Heilung verletzter Knochen
  • zur Stärkung des Uterus und Verhinderung von Fehlgeburten
  • zur Verbesserung des Immunsystems
  • Hemmung von Streptokokken
  • gegen Vitamin E Mangel
  • zur Stimulierung der Lymphe
  • gegen Lyme-Borelliose
  • bei Fibromyalgie

Kontraindikationen

Bisher sind keine Kontraindikationen bekannt.

Verwechslungen

Es gibt weltweit etwa 20 Kardenarten, die sich sehr ähnlich sehen. Im ersten Jahr, wenn sie noch keine Blüte ausbildet, kann man sie durchaus mit anderen Pflanzen, die ebenfalls eine Rosette bilden, verwechseln.

Wilde Karde

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